klar & deutlich

Wortwörtlich: NIE und IMMER machen alles schlimmer

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Sie kann verbinden und zerstören, wirkt mal skalpellscharf, mal einlullend, mal aufrüttelnd. Dieses Wissen können wir uns zunutze machen – und damit unser Wohlbefinden stärken. Heute: Warum wir „immer“ und „nie“ aus unserem Wortschatz verbannen sollten.

Wenns mal nicht so läuft wie geplant im Leben, neigen wir dazu, die Dinge zu verallgemeinern. Dann heißt es schnell:

  • „Immer hast du schlechte Laune!“
  • „Nie habe ich Glück im Leben!“
  • „Immer hat er etwas an mir auszusetzen!“
  • „Nie hat sie Zeit für mich!“

Damit wollen wir Frust abbauen. Und zugleich klarstellen, dass nicht wir das Problem sind, sondern der Partner, die Freundin, der Arbeitskollege, die Chefin oder das böse Schicksal im Allgemeinen.

Aber nichts ist nur schwarz oder weiß. Und die miese Situation, in der wir uns befinden, hat sehr wohl etwas mit uns zu tun – auch wenn wir das in dem Moment nicht wahr haben wollen oder erkennen können.

Wenn wir „immer“, „nie“, „alles“, „jeder“ usw. sagen, machen wir uns die Welt, widdewiddewie sie uns gefällt, indem wir unsere Verantwortung abgeben. Denn nicht immer wollen wir eine Erfahrung machen – es liegt jedoch bei uns, wie wir auf sie reagieren.

IMMER und NIE bauschen das Problem auf

Wenn wir pauschalisieren, machen wir das Problem größer, als es eigentlich ist. Zudem werden Lösungen für die Zukunft direkt ausgeschlossen – schließlich ist das Problem ja – so behaupten wir – „immer“ vorhanden oder die Dinge funktionieren „nie“ so, wie wir uns das vorgestellt haben. Und das wollen wir ja nun wirklich nicht.

Wenn du das nächste Mal merkst, dass du oder dein Gegenüber die Dinge verallmeinert, kann es darum hilfreich sein, die betreffenden Aussagen zu hinterfragen und das Problem genau zu definieren:

  • Aus „Wir streiten uns immer.“ wird dann die Überlegung: „Wir haben in letzter Zeit sehr oft gestritten. Wann genau haben wir gestritten und wann nicht?“
  • Und im Hinblick auf die Aussage „Sie ist nie gut gelaunt.“ könnte man fragen: „Du hast das Gefühl, dass deine Arbeitskollegin in letzter Zeit sehr häufig schlecht gelaunt ist. Wann genau ist sie schlecht drauf und wann nicht oder weniger?“

Kannst du den Unterschied zwischen den Aussagen spüren? Wie fühlt sich das an?

Ich finde: Aussage No. 1 engt ein, während No. 2 Leichtigkeit verschafft. Differenzieren lässt uns die vielen Grautöne zwischen den schwarz-weißen Verallgemeinerungen erkennen – und in ihnen vielleicht sogar eine mögliche Lösung des Problems.

Wichtig: Fühlen statt büffeln

Noch eine Anmerkung: Es geht mir nicht darum, Sprachregeln aufzustellen und zwanghaft die Worte „nie“ und „immer“ zu vermeiden. Vielmehr ist es hilfreich, ihren Effekt zu kennen und die feinen, aber doch so kraftvollen Unterschiede der Aussagen von pauschalen und differenzierten Aussagen zu spüren. Und sich dieses intuitive Wissen zunutze zu machen – für mehr Leichtigkeit im Alltag. ∞

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