achtsame Kommunikation,  Atem & Atmung

Königsdisziplin: Gute Laune im Straßenverkehr – aber wie?

Im Straßenverkehr werden viele zu einem anderen Menschen: Sonst eher ruhig und entspannt, plötzlich auf 180 – wie kann das sein? Und wie kann man damit aufhören?

Heute morgen, auf dem Weg zu einem Termin: Ich war schon etwas spät dran und darum leicht angespannt, als sich ein Fahrschulauto im Kreisverkehr vor mich schob. Also, ohne mir die Vorfahrt zu nehmen. Es hatte halt Vorfahrt.

Dennoch sank meine Laune augenblicklich: Na super, dachte ich – jetzt komme ich nie rechtzeitig an. Ich wurde ungeduldig. Und vielleicht kennst du das: Egal, was der Vordermann dann macht, egal, was dann noch passiert – es ist falsch, es nervt, es frustriert.

Manchmal folgen in solchen Situationen noch unsinnige Überhol-Manöver, Depp-, Waschlappen und Idiot-Rufe (um nur die Harmlosen zu nennen), Hupen und/oder wüste Gesten. Komisch, oder? Kaum ist der Zündschlüssel rumgedreht, werden reihenweise eigentlich ruhige und besonnene Menschen zu Furien, zu Steinzeitmenschen im Fight-Modus.

Aggressionen am Steuer: Woher kommts?

Eigentlich fängt das Problem viel früher an und hat im Grunde nichts mit dem- oder derjenigen zu tun, die jetzt zufällig unseren Weg kreuzt.

Es liegt am Zeitdruck oder am Bammel vor dem Vorstellungsgespräch, zu dem man gerade unterwegs ist oder am Ärger über einen Streit, der einem noch im Kopf herumschwirrt oder an der Sorge, ob der Arzttermin heute gut geht oder an der frischen Trennung oder …

Woran der Frust hinterm Steuer in den meisten Fällen nicht liegt: An der Person, die dafür verantwortlich gemacht und an der er ausgelassen wird.

Außerdem ist man beim Autofahren quasi anonym unterwegs – in einer Blechkiste. Auf dem Gehweg oder beim Einkaufen, dort also wo man persönlich aufeinander trifft und sich in die Augen blicken kann, würde es vermutlich niemandem in den Sinn kommen, beim kleinsten Fehltritt zu fluchen, den Stinkefinger oder einen Vogel zu zeigen.

To do: Die anderen verstehen wollen

Im Straßenverkehr begegnen wir unseren Mitmenschen. Verständnis für die Gegenseite könnte da helfen.  Denn alle sitzen im selben Boot – oder Auto. Alle haben es eilig, wollen irgendwo hin und das möglichst ohne Behinderung. Und für alle ist es mehr oder weniger frustrierend, wenn das nicht klappt. Wichtig ist es also zu lernen, die Perspektiven der anderen zu verstehen – damit sind auch Fahrradfahrer, Fußgänger und Lkw-Fahrer gemeint.

Was man sonst noch tun kann? Pünktlich losfahren, mit etwas Puffer, könnte schon helfen. Und wenn dann doch was dazwischen kommt – Stau, Unfall, Müllauto, rote Welle – dann versuche ich immer, mir einzureden, dass es jetzt eh nichts mehr bringt, sich aufzuregen. Will heißen: Zu spät komme ich sowieso, aber immerhin kann ich entscheiden, ob im gestressten oder entspannten Zustand.

Erst atmen, dann denken

Und falls es doch mal zu einer doofen Situation kommen sollte? Tief einatmen, drei Sekunden Luft anhalten, ausatmen. Und nochmal darüber nachdenken, ob es so sinnvoll ist, jetzt auszurasten. Vermutlich nicht, oder?

Die Perspektive des oder der anderen ähnelt ja oft unserer eigenen: Ein „lahmer“ Autofahrer? Fährt vielleicht so langsam, weil er sich nicht auskennt oder eine Einfahrt sucht. Passiert jedem mal. Das entgegenkommende Auto will einfach nicht abblenden? Passiert – unabsichtlich – jedem mal.

Und auch vom Auto aus kann man freundlich kommunizieren: Sich per Handzeichen bedanken oder entschuldigen kann Wunder wirken.

Ich wünsche uns allen eine entspannte Fahrt. ∞

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